Presse spiegel

Mittwoch, 12.05.2021: Sammler aus Lehrte besitzt echte Requisiten
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Mittwoch, 11. 11.2020: „HAPPY BIRTHDAY, BOND! JAMES BOND!“
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Mittwoch, 11.11.2020: „Wattenscheid feiert James Bond“
Beitrag erstellt von SAT.1 NRW (c)

Mittwoch, 11.11.2020: Lokalzeit Ruhr WDR (c)

James Bond kommt aus Wattenscheid

(…) Dass ihr Held eine deutsche Vergangenheit hat, gilt vielen Internet-Bondianern auf der ganzen Welt als Faktum. Sie beziehen sich auf das 1973 erschienene Werk „James Bond – the Authorized Biography of 007“. Deren Autor John Pearson, Journalist und Schriftsteller, war Mitarbeiter und Freund des 1964 gestorbenen Bond-Erfinders Ian Fleming Erfinders Ian Fleming; die Biographie zehrt weitgehend von Randepisoden aus den 007-Romanen. Von Bonds Geburt ist dort indes keine Rede.

Warum also Wattenscheid? Nach einem Tag Bedenkzeit sagt der heute zweiundsiebzigjährige Pearson im Gespräch: „Ich habe mir das Gehirn zermartert – ich kann mich nicht genau erinnern. Aber ich bin sicher, daß das von Fleming selbst kam.“ Pearson denkt dabei an einen „sehr beschwingten“ Lunch Ende der fünfziger Jahre: „Da haben wir intensiv über Bond gesprochen. Fleming hatte genug von ihm und wollte ihn am liebsten sterben lassen. Aber dann war ,From Russia With Love‘ so ein Erfolg, daß er weitermachen mußte.“

Nach Flemings Tod schrieb Pearson 1966 eine seriöse Biographie des Freundes, die vor kurzem neu aufgelegt wurde. Die Bond-Biographie sei eher ein Scherz gewesen: „Das wurde nicht so furchtbar ernst genommen.“ So habe auch niemand dagegen protestiert, daß Britanniens 007 ausgerechnet in Deutschland geboren sein sollte. Bond selbst allerdings erzählte seinem Biographen vorbeugend, er möge die Deutschen nicht besonders. Ein „gebürtiger Kraut“ zu sein habe anfangs seine Karriere behindert. Überhaupt habe Mutter Monique ihn in ihrer Schweizer Heimat zur Welt bringen wollen, nur ein Eisenbahnerstreik habe das vereitelt.

Mit Details nahm Bond es nicht genau: Den Eisenbahnerstreik gab es damals im Revier sowenig wie eine Besatzungsbehörde, für die Vater Bond den Krupp-Konzern hätte zerschlagen können. Der deutsche Fleck in Bonds Vita war bisher esoterisches Expertenwissen; von den Fan-Websites breitet sich die Kunde nun auch unter gewöhnlichen Kinogängern aus. Auch in Wattenscheid weiß man vom verlorenen Sohn. Doch obwohl dergleichen sonst im komplexbeladenen Ruhrgebiet schnell imagefördernd verwurstet wird, tut sich in Sachen Bond noch nichts. Dabei wäre ein Drehbuch für „Bond kehrt heim“ schnell geschrieben: Irakfreundlicher Schurke will aus Schächten der stillgelegten Zeche „Wilhelm“ Raketen gen Washington feuern. Bond reist an, spannt Finsterling die Freundin („Perle“) aus und lässt die Zeche in letzter Sekunde mit Mann und Maus absaufen. Fertig. Wir wissen ja jetzt: Bond könnte sich im Revier unerkannt bewegen, vorausgesetzt, 007 bestellt am Tresen keinen geschüttelten Martini, sondern ein Bier, korrekterweise „ein lecker klein Pilsken“.

Auszug aus „James Bond kommt aus Wattenscheid“ von Martin Kuhna, Frankfurter Allgemeine, 2003 (https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-james-bond-kommt-aus-wattenscheid-1131553.html)

James Bond – Spion aus Wattenscheid

(…) „Ich wurde in einer Stadt namens Wattenscheid geboren – das ist in der Nähe von Essen“, wird James Bond höchstpersönlich in dieser fiktiven Biografie auf Englisch zitiert. Bonds schottischer Vater Andrew arbeitete demnach nach dem Ersten Weltkrieg für die alliierten Besatzungsbehörden im Ruhrgebiet, um den Krupp-Konzern zu zerschlagen. Da Andrew Bonds schwangere Frau, die Schweizerin Monique Delacroix, wegen eines Eisenbahnerstreiks nicht rechtzeitig nach Großbritannien reisen konnte, kam ihr Sohn James in ihrer damaligen Wahlheimat Wattenscheid zur Welt. Das Ehepaar Bond lebte dort noch einige Zeit mit den beiden Söhnen Henry und James – natürlich in einer Villa mit Personal, Hunden und Pferden –, bevor es Andrew Bond berufsbedingt nach Ägypten verschlug.

Der Verlag Glidrose Publications, in dem Ian Fleming zuvor seine Bond-Romane veröffentlicht hatte, nahm auch Pearsons Bond-Biografie in sein Programm auf und nannte sie „autorisiert“. Pearsons Angaben zu James Bonds Geburt sind unter 007-Kennern jedoch umstritten: Denn in den Bond-Romanen Ian Flemings gibt es widersprüchliche Hinweise, die auf andere Geburtsjahre Bonds hindeuten. Und der Autor Charlie Higson, der später Geschichten über den jungen Bond verfasste, lässt den Geheimagenten in der Schweiz zur Welt kommen.

So detailreich wie Pearson allerdings beschrieb kein anderer Autor die Umstände von James Bonds Geburt. Pearson verortete sie in eine politisch unruhige Zeit zwischen dem „Ruhrkampf“ linksgerichteter Arbeiter im März 1920 und der Ruhrbesetzung durch die Franzosen 1923. Aber wie kam er ausgerechnet auf Wattenscheid? Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gestand der mittlerweile 88-jährige Brite vor einigen Jahren, dass er sich nicht mehr an den Grund dafür erinnern könne. Er sei sich aber sicher, dass die Idee von Fleming selbst stammte.

Da Pearsons Bond-Biografie nie in einer deutschen Übersetzung erschienen ist, blieb sie hierzulande lange Zeit unbekannt. Nur wenige hiesige Bibliotheken haben sie im Sortiment. Erst als Bond-Fans den angeblichen Geburtsort erstaunt im Internet verkündeten, erfuhren auch immer mehr deutsche Cineasten, dass Wattenscheid eine Ikone der Popkultur hervorgebracht haben soll. (…)

Auszug aus „James Bond – Spion aus Wattenscheid“ von Martin Zehren, Westfalenspiegel 2011/2019 (https://www.westfalenspiegel.de/james-bond-spion-aus-wattenscheid)

James Bond: Agent 007 ein Deutscher?

(…) Laut Pearson war Bonds Vater Andrew ein Ingenieur. Um Krupps Rüstungsbetriebe für die Alliierten aufzulösen, sei er in Wattenscheid stationiert gewesen. Seine Frau, Monique Delacroix, habe eigentlich für die Geburt ihres Kindes nach England zurückkehren wollen, aber ein Bahnstreik habe sie daran gehindert.
Bond sei früh zum Waisenkind geworden, seine Eltern starben bei einem Kletterunfall in den Schweizer Alpen. Den Vormund habe seine Tante übernommen, der junge James sei trotzdem noch regelmäßig nach Wattenscheid zurückgekehrt, wo die Familie ein Sommerhaus besessen habe.
Es gibt jedoch widersprüchliche Berichte rund um Bonds Geburtsort. Laut Charlie Higsons „Young Bond“-Büchern, einer anderen offiziellen Reihe basierend auf Flemings Geschichten, ist der Geheimagent in Zürich geboren. Aber dem Reisepass zufolge, der Daniel Craig als Requisite im Film „Casino Royale“ ausgehändigt wird, erblickte Bond in West-Berlin – und zwar viel später, am 13. April 1968 – das Licht der Welt. (…)

Auszug aus James Bond: Agent 007 ein Deutscher?, Deutsche Welle (https://www.dw.com/de/james-bond-agent-007-ein-deutscher/a-47308383)

Ach 007, wärst Du in Wattenscheid geblieben

(…) Mit James Bond und Wattenscheid ist das so. Lange wusste man wenig über seine Herkunft. 1973 erschien die autorisierte Biografie von James Bond, der Autor James Pearson war ein Freund von Bond-Erfinder Ian Fleming. Im Buch erklärt Bond selbst, dass er aus einer Stadt an der Ruhr kommt, Wattenscheid bei Essen. Land der deutschen Hochöfen und des Stahls. Geboren wurde Bond am 11. November 1920, im Stadtteil Alte Freiheit.
Seine Mutter, die Schweizerin Monique Bond, wollte den Jungen eigentlich in England zur Welt bringen, aber ein Eisenbahnstreik verhinderte die Abreise. Sie stand vergeblich am Wattenscheider Bahnhof, tote Hose quasi schon damals. Andrew Bond, der Vater, war in Wattenscheid, um nach dem Ersten Weltkrieg als Geheimdienstmitarbeiter Krupp zu zerschlagen. Die Familie lebte in einer Villa, die Straßen gefielen dem jungen Bond laut eigener Aussage gar nicht.

„Old Wattsche“ wurde Alt-Wattenscheid früher genannt, erklärt ein Schild nahe der Kirche, der kleine James Bond aus Wattsche hat gut deutsch gesprochen, heißt es, und sich mit Jungs geprügelt. Watschn für Wattschner, das klingt nach Grundausbildung. Als Bond fünf Jahre alt war, ging es fort von Wattenscheid, nach England, später ins Internat.
Der Legende nach hat Ian Fleming betrunken mit dem Finger auf eine Landkarte getippt, um den Geburtsorts zu bestimmen. Noch ein Grund für die Wahl: Wattenscheid ist für Engländer schwer auszusprechen, sagte Andrew Pearson später. Woattenschit. Das spricht sich mit britischer Verachtung für alles Deutsche. Früher machten die Bond-Fans um die Wattenscheid-Episode wenig Aufhebens. Mittlerweile wird die Geschichte weitgehend anerkannt, bloß vielleicht mit einer Ausnahme: Wattenscheid. (…)

Auszug aus „Ach 007, wärst Du in Wattenscheid geblieben“ von Holger Kreitling, Die Welt, 2012 (https://www.welt.de/vermischtes/article110623690/Ach-007-waerst-Du-in-Wattenscheid-geblieben.html)